Rudolf Gelbard vor Transportgeleisen in Theresienstadt

LITERATUR IM KINO
"Der Mann auf dem Balkon"

MITTWOCH, 25. NOVEMBER 2015, 19 UHR
ORT: vierzigerhof, Rudolfstraße 11
3550 Langenlois
Einführung: Prof. Rudolf Gelbard - "Die 21 verschiedenen Verbrechen des Nazismus"
Film: "Der Mann auf dem Balkon" von Kurt Brazda über den ehemaligen KZ-Häftling Rudolf Gelbard
Gespräch: Regisseur Kurt Brazda und Prof. Rudolf Gelbard
Eintritt: € 12,-- / erm. € 10,--
Karten: 0664 / 4327973
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Rudolf Gelbard, Jahrgang 1930, gehört zu jenen wenigen österreichischen Persönlichkeiten, die ihrem Land nach 1945 zu einem Gewissen verhalfen. Das liegt nicht nur daran, dass er als einer der wenigen Kinder das Konzentrationslager Theresienstadt überlebte und somit von den Gräueltaten des 3. Reiches aus erster Hand Zeugnis ablegen konnte. Unermüdlich war und ist er nämlich auch im Aufzeigen und Bekämpfen von braunem Gedankengut, wann, wo und wie immer es sich in Österreich nach 1945 bemerkbar machte. So erlangte er eine zweite für das kollektive Bewusstsein Österreichs sehr wesentliche Zeitzeugenschaft, weil er gleichsam "live" und authentisch aus vorderster Front von allen Konfrontationen mit ewig Gestrigen und jungen Wiederbetätigern berichten kann.

Im Film führt er uns an jene Schauplätze seiner Kindheit in Wien, wo er die Demütigungen als "Judenbub" nach dem Hitlereinmarsch 1938 erleiden musste. Er hat auch die unter der zynischen Bezeichnung "Reichskristallnacht" stattfindenden Novemberpogrome in Wien hautnah erlebt. Im Oktober 1942 wird er mit seiner Familie nach Theresienstadt deportiert.

Ein wesentlicher Teil des Dokumentarfilms von Kurt Brazda ist Rudolf Gelbards Erlebnissen im Konzentrationslager Theresienstadt gewidmet, wo er den entscheidenden Teil seiner Kindheit und Jugend verbringen musste, und zwar von 1942 bis 1945. Von den 15.000 Kindern, die in diesen "Vorhof" der Vernichtung gebracht wurden, überlebten nur etwa 200, darunter auch er. Wir begleiten ihn auf eine Fahrt nach Therezin / Theresienstadt. Dabei zeigt er den Ort seiner Kindheit, die von Angst und Hoffnungslosigkeit geprägt uns Nachgeborenen unvorstellbar ist. Es ist für ihn mit Sicherheit keine leichte Reise.

Seinen persönlichen Sieg empfand Gelbard 1995, als auf dem Wiener Heldenplatz 50.000 das Wiedererstehen Österreichs feierten: Im strömenden Regen trat der Überlebende auf den Balkon, von dem aus Hitler Österreichs Untergang verkündet hatte.
(Erhard Stackl / DER STANDARD, Printausgabe, 21.3.2008)


Der Film und das WIFAR wurden 2008 mit dem Erasmus EuroMedia Award ausgezeichnet.

Buch und Regie: Kurt Brazda
Kamera: Benjamin Epp AAC, Astrid Heubrandtner AAC
Schnitt: Benjamin Epp
Ton: Christian Bednarik
Musik: Markus Vorzellner

Quelle: Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung (www.wifar.at)



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