DUM NR. 55

THEMA: FEINDBILDER
Mit: Judith Schalansky - Interview * Lars Ruppel * Rainer Wedler * Claudia Kohlus * Ute Hanel * Roman Weyand * Annette Schmitz-Dowidat * Beate Hilger * Christopher Staininger * Johannes Witek * Isabella Feimer * Gudrun Büchler * Nicole Mahal * Bülent Kacan * Ernesto Castillo * Christoph Bruckner * Steffen Roye * Rudolf Kraus * Urs Berner * Stephan Groetzner * Robert Prosser * Ernst Karner * Thomas Josef Wehlim * Der Wortvertreter

Rezensionen: Franzobel / Franz Novotny - Filz * Thomas Ballhausen - Bewegungsmelder * Martin Büsser - Der Junge von nebenan

Preis: EUR 3,30.- (EUR 5.- außerhalb Österreichs)
Förder-Abo (4 Ausgaben): EUR 13.- (EUR 20.- außerhalb Österreichs)
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DUM-Interview: "Eine Insel ist keine Lösung" mit Judith Schalansky


Leseproben aus DUM 55:

DER DEUTSCH (Dreck am Trekker)
(Lars Ruppel)

Dort bei den Kastanienbäumen
Wo die Kuckuckskücken träumen
Dort wo nachts die jungen schwarzen
Hörnchen Harz vom Hasel quarzen

Wo die Wühlmausmadmoisellen
Unter Spargelackerwellen
Mit dem erwühlten Geld seit Jahren
Für den eignen Mausbau sparen

Lebt ein Tier von kleinem Geiste
Will immer mehr und hat das meiste
Angst vor sich und vor der Nacht
Von allen Wesen ausgelacht:

Es ist: Der Deutsch!
...


LEBEN MT EINEM KONTRABASS
(Claudia Kohlus)

Seit zehn Tagen wohnt ein Kontrabass zur Untermiete in meiner Wohnung. Er hat sich in meinem früheren Arbeitszimmer einquartiert und vergräbt sich dort demonstrativ in sein Moll. Ich habe ihn seit seinem Einzug nicht mehr gesehen. Und gestern ist mir aufgefallen, dass einige Dinge in der Wohnung fehlen: meine Schnapsflasche, der Klappstuhl aus der Küche - und die Fernbedienung. Daraufhin habe ich dem offenbar sozialphobischen Kontrabass eiligst einen Zettel unter der Tür durchgeschoben: Frühstück um 9. Würde mich freuen, wenn Sie mir Gesellschaft leisten. Habe nämlich mit Ihnen zu reden!, stand dort geschrieben.

Am nächsten Morgen warte ich in der Küche auf meinen musikalischen Mitbewohner, der mich allerdings eiskalt versetzt. Der hölzerne Kasten erscheint einfach nicht, weder um neun noch später. In der Spüle erspähe ich dafür eine leere Schnapsflasche, die ich sofort als meine erkenne. Schmeckt nicht, hat der Kontrabass auf einen Post-it-Zettel geschrieben und diesen auf das Flaschenetikett geklebt. Angesäuert räume ich die Flasche weg und frühstücke allein.

Aus dem Zimmer des Kontrabasses höre ich Geschrammel. Ruhe, schreie ich nervös und provoziere damit bloß, dass das versoffene Streichinstrument noch lauter schrammelt.
...


RELIGIONSKRITIK
(Roman Weyand)

das gute:
den abt
absetzen

das böse:
den teufel
ersetzen


GRÖSSE VIERZIG
(Nicole Mahal)

Mama glaubt wohl, ich höre nicht, dass sie zu Papa sagt, dass dreizehn ein ganz besonders blödes Alter ist. Besonders deswegen, weil man noch nicht von zu Hause ausziehen darf, würde ich ihr gern in den Rücken schreien.
Sie beugt sich ganz nah zu seinem Ohr und redet leise, aber ich gehe knapp hinter ihnen und bekomme alles mit. Sie ist in einem schwierigen Alter, flüstert sie, und die heutige Zeit -, schwierig, ja, Mama, schwierig, weil ich nicht weiß, ob ich mich über meine wachsende Brüste freuen oder über die sprießende Schamhaare ärgern soll.
Ich habe ein Mädchen in der Klasse, das sich nicht rasiert und sich wundert, dass kein Typ sie angreift. Das hab ich schon mit elf gewusst, dass sich da keiner durch einen Dschungel kämpfen will. Ist ja ekelhaft. Meine Schamhaare waren kaum einen Millimeter heraußen, da habe ich sie schon epiliert. Ist natürlich ein wenig unangenehm, aber Sabine sagt, je früher man damit anfängt, desto schneller gewöhnt sich die Haut daran. Meine hat sich noch nicht daran gewöhnt. Also ich bin ziemlich rot und ein wenig pickelig zwischen den Beinen, weil mir die Haare dauernd einwachsen, aber das wird schon werden. Zur Zeit gibt es ohnehin keinen, den ich so weit vordringen lassen würde. Zuerst einmal muss mein Körper perfekt sein.
...


CHUZPE
(Rudolf Kraus)

und ich
traurige vegetarische
hyäne
trage
meinen menschlichen makel
mit stolz


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