DUM NR. 49

THEMA: KOFFER.KIND.KÜCHE
Mit: Margit Schreiner - Interview * Traude Veran * Konrad Pauli * Martin Dragosits * Herbert Friedrich Witzel * Sabine Imhof * Ludmila Kulikova * Christian Seiffert * Ernst Karner * Peter Friedrich * Kathrin Ivancsits * rentsnik * Rainer Wedler * Cornelia Hülmbauer * Daniel Kindslehner * Judith Pfeifer * Kilian Jung * Annemarie Regensburger * Michael Zoch * Ute Michaela Hanel * Doris Nußbaumer * Der Wortvertreter

Rezensionen: Herbert Schlüter - Nach fünf Jahren * Mieze Medusa - Freischnorcheln * Ewald Baringer - Landauf, Landab, Landüber * Walter Kappacher - Der Fliegenpalast * Michaela Falkner - Kaltschweißattacken

Preis: EUR 3,30.- (EUR 5.- außerhalb Österreichs)
Förder-Abo (4 Ausgaben): EUR 13.- (EUR 20.- außerhalb Österreichs)
Bestellung: Online, per E-Mail (dummail@gmx.at) oder unter 0664 / 4327973.


Leseproben aus DUM 49:

DER LETZTE SONNTAG MEINES VATERS
(Sabine Imhof)

Diese Tage jetzt, eng wie ein Tunnel
an dessen Ende lauert er; der aufgefrischte Tod
in seinem besten Anzug lehnt er an der Häuserwand
gelassen und schön wie ein junger Römer
lächelt, als hätten wir einen gemeinsamen Bekannten.

Er will ihn mir streitig machen, seit einem Jahr
glaube ich aber dummerweise nicht mehr an den Tod
ich schaue durch ihn hindurch
wenn ich an ihm vorbei muss, auf dem Weg zur Bäckerei.



DAS LOCH IN DER BRUST
oder
WIE ICH DEN 7-TAGE-MAU-MAU-WETTKAMPF GEGEN ONKEL FRITZ VERLOR

(Peter Friedrich)

Meine Eltern wollten mit mir nie Mau-Mau spielen. Dabei macht mir nichts mehr Spaß als Mau-Mau-Spielen. Sie hatten nie Zeit dafür. Höchstens mal an Weihnachten oder Sylvester. "Wenn du es unbedingt willst, mein Liebling", sagte meine Mutter bei diesen Gelegenheiten, "dann spielen dein Vater und ich mit dir jetzt Mau-Mau."
Viel Spaß machte das aber auch nicht. Denn wirklich Spaß macht es nur, wenn es allen Spaß macht. Wenn man es ernst spielt. So richtig eben, als ginge es um Leben und Tod oder sonst was ganz Wichtiges. Aber meine Eltern langweilten sich nur, guckten dauernd auf die Uhr und gähnten hinter vorgehaltener Hand. Und was das Schlimmste war: sie ließen mich ständig gewinnen.
Auch als ich das Loch in der Brust hatte, spielten sie mit mir nie Mau-Mau. Dabei hatte ich sie mehrfach darum gebeten. Aber wahrscheinlich haben sie mir vor lauter Aufregung gar nicht zugehört. Vor Aufregung wegen des Loches, mein ich.



KOFFERKIND
(rentsnik)

Das Kind, der Koffer, begreift gar nichts. Das Kind ist zu allem zu blöd. Es wäre besser gewesen, man hätte das Kind nicht bekommen. Dann müsste man sich jetzt nicht so herumplagen mit ihm. Sogar die Lehrerin sagt, es handle sich um ein ausgesprochen dummes Kind. Begreift angeblich gar nichts. Besondere Bedürfnisse nannte es die Lehrerin. Die Mutter weiß, was damit gemeint ist. Sonderschule. Wer will sich schon um ein deppertes Kind kümmern, wo man doch einen Lehrplan zu erfüllen hat? Die Mutter versteht die Lehrerin. Sie würde ihr Kind auch nicht unterrichten wollen. Wenn ein Kind einen beschränkten Horizont hat, kann man nicht viel tun. Auch als Lehrerin nicht. Sie hat einmal gelesen, dass der Intelligenzquotient angeboren sei. Wenn ein Kind dumm ist, kann man es fördern wie man will, es wird nicht gescheiter. Leider hat sie eines dieser dummen Kinder bekommen. Sollen sie es halt auf die Sonderschule schicken. Wie es danach weitergehen soll, weiß sie beim besten Willen nicht.
Wenn es wenigstens brav wäre. Angepasster.



STUBENFLUCHTEN
(Cornelia Hülmbauer)

so

wie du gegen den schrank anschreist:
deine heimlichkeit.

denn

bretter ächzen
irgendwann
nach den jahren
und die kosenamen
die bauklötze
entmündigt
verstaunt.

wenn

sperrholz splittert
kinderleicht
aus den angeln
und die purzelbäume
die leviten
abgewurzelt
aufgelesen.

das

was du zwischen die planken speist:
eine häuslichkeit.


ENTSCHIEDEN
(Doris Nußbaumer)

Die Katze muss weg, sagte Kyot.
Fedora tat eine Äußerung, gegen die das Götzzitat harmlos wie ein Gänseblümlein war.
Bakterien, sagte Kyot, Viren, du kannst dir ja nicht vorstellen, was das Viech von draußen herein trägt, außerdem legen sich Katzen dorthin, wo es warm ist, in der Wiege ist es warm, die Katze legt sich auf das Kind und erstickt es, das ist schon geschehen, jeder vernünftige Mensch weiß das.
Fedora lachte, aber es war kein gutes Lachen. Unsinn, Kinder, die in einer nicht-sterilen Umgebung aufwachsen, entwickeln später viel seltener Allergien, das ist es, was vernünftige Menschen zu wissen haben. Außerdem, die Katzen, die Kinder tot liegen, gehören in den Bereich des Mythos, genauso wie Gesundbeten, Astrologie und die Fledermäuse, die sich in Langhaarfrisuren verfangen. Beim Fledermausmythos handelt es sich übrigens um eine zutiefst sexistische Geschichte, die Frauen davon abhalten soll, nachts unterwegs zu sein.


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