DUM NR. 56

THEMA: BODYB(U)ILDER
Mit: Elisabeth R. Hager - Interview * Magda Woitzuck * Axel Görlach * Nadja Bucher * Franz Kovacs * René Steininger * Isabella Feimer * Klaus Roth * Martin Lechner * Erich Schirhuber * Jörg Schlager * Angelica Seithe * Sascha Wittmann * Nina Neugebauer * Rainer Wedler * Karin Seidner * Emily Walton * Birgit Rietzler * Mieze Medusa * Michaela Hinterleitner * Georg Leß * Der Wortvertreter

Rezensionen: Constantin Göttfert - In dieser Wildmis * Arno Camenisch - Hinter dem Bahnhof * Sjón - Schattenfuchs

Preis: EUR 3,30.- (EUR 5.- außerhalb Österreichs)
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DUM-Interview: "Auch dieses Rom wurde nicht an einem Tag erbaut ..." mit Elisabeth R. Hager


Leseproben aus DUM 56:

DIE WAHL HABEN
(Magda Wotzuck)

"Noch einen", sagte er, "einen Doppelten."
"Ist das eine gute Idee?" Ich weiß nicht mehr, weshalb ich mich eingemischt hatte. Vielleicht, weil er in den letzten zwanzig Minuten schon fünf in sich hineingekippt hatte.
"Was ist schon eine gute Idee?"
Sein Kopf hatte sich langsam in meine Richtung gedreht, die Augen verhangen trüb, eine schiefe Nase, Boxer, dachte ich, oder einer, der viel Pech gehabt hat. "Was ist, Kleiner", sagte er, "Sag mir, was ist schon eine gute Idee?"
Ich zog den Kopf ein. "Keine Ahnung", antwortete ich kleinlaut. Er war von mächtiger Statur und sah aus, als hätte er einen miesen Tag gehabt hat. "Na also", sagte er, "dann halt doch deine vorlaute Schnauze."
Der Barkeeper stellte den Vodka auf die Bar, der Typ nahm das Glas, leerte es und knallte es zurück auf das abgegriffene Holz. Er verzog ein wenig das Gesicht, dann griff er nach einem zerdrückten Päckchen roter Marlboros und steckte sich eine an.
"Diese ganze Scheiße", knurrte er, aber er brachte den Satz nicht zu Ende.
Wie alt mochte er sein? Vierzig? Fünfundvierzig? Ich nahm einen Schluck von meinem mittlerweile zu warmen Bier.
"Noch einen", sagte ich und deutete auf den großen Kerl neben mir, "einen Doppelten."
...


BEGEGNUNG IM MODEJOURNAL
(Angelica Seithe)

In deinem Blick
hat sich die Welt entleert
Barbie mit den Streichholzbeinen
umeinander gewunden
geschlossen der heimliche Schritt

Hingesetzt
wie eine Puppe
mit angehängtem
Unterleib
missbraucht seelisch
querschnittsgelähmt

Im Wimpernkranz unter gemalten
Balken verschattet
rotgerändert die gläserne
Abwesenheit


DER PHYSIOGNOMIKER
(René Steininger)

Mein Freund Raoul ist Physiognomiker.
Andere, sagt er, halten sich entweder an den Inhalt oder an die äußere Gestalt, das Cover, eines Buchs. Ich dagegen beurteile es nach der Fresse seines Verfassers. Wenn mir die nicht gefällt, kann ich mir den Rest auch gleich sparen.
Und was muss ein Gesicht haben, damit es dir gefällt?
Es sollte schön sein, sagte er.
Aber wie definierst du dann Schönheit?, fragte ich weiter, und er antwortete ohne Umschweife:
Schön ist für mich jeder Körper und jedes Gesicht, an denen die Spuren eines intensiven Lebens haften.
Dann bist du kein Physiognomiker, sondern Pathognomiker, sagte ich. Bukowski wäre dann für dich auch schön?
Bukowski ist ein extremes Beispiel. Beckett oder Kafka sind andere, weniger plakative.
Er sagte es flüsternd wie ein Gebet und schwieg dann. Gedankenblitze huschten über sein zerfurchtes Gesicht.
Es funktioniert übrigens auch in umgekehrter Richtung, fügte er schließlich hinzu. Immer, wenn ich Katherine Mansfield lese, muss ich an ihre Brüste denken.
Weil sie sexy ist?
Nein, ihre Bücher sind es. Mir ein Rätsel, wie sie das schafft, aber ihre Sätze verbinden sich in meinem Geist irgendwie mit dem Geschmack von Fleisch, saftigem Fleisch.
Fühlst du so was auch bei Kafka?, fragte ich.
...


FÜNF UHR FRÜH
(Klaus Roth)

es wird allmählich hell
als der straßenkehrer
vor dem werbeplakat
mit der kurvenreichen schönen
in wonnige gedanken eintaucht
es wird allmählich hell
als sie ihm zuzwinkert


ZÄHLEN MESSEN WÄGEN
(Erich Schirhuber)

viele Jahrhunderte hindurch war
bei Statuen von Männern ihr Geschlechtsteil
auffallend klein dargestellt
der Jüngling vom Magdalensberg der
David in Florenz sogar Kaiser
Trajan in Marmor oder
in Bronze nur seltsam kleine
Dinger
und manche meinen man wollte damit ein
zu leichtes Abbrechen verhindern und manche
meinten den Modellen sei kalt geworden
als sie nackt Modell standen und
wie man hört wurde an einer deutschen
Universität eine Forschungskommission
eingerichtet die der Sache
auf den Grund gehen wird ein Institut für
kleinpenisige Studien
ein naturgemäß
interdisziplinäres



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