DUM NR. 51

THEMA: GUT.GEGEN.GOTT
Mit: Erika Wurzenrainer - Nachruf * Robert Prosser - Interview * Christian Rechsteiner * Herbert F. Witzel * Christoph Simon * Alexander Czajka * Christian Schreibmüller * Johannes Witek * Stefan Bayer * Erich Schirhuber * Markus Prem * Helga Pankratz * Elke Engelhardt * Martin Dragosits * Verena Kaiser * Annemarie Regensburger * Manuela Kurt * Robert Anders * Stephan Groetzner * Mieze Medusa * Nadja Bucher * Malte Borsdorf * Der Wortvertreter

Rezensionen: Andreas Unterweger - Wie im Siebenten * Robert Prosser - Strom * Bernhard Moshammer - Zeit der Idioten * Antonio Fian - Im Schlaf

Preis: EUR 3,30.- (EUR 5.- außerhalb Österreichs)
Förder-Abo (4 Ausgaben): EUR 13.- (EUR 20.- außerhalb Österreichs)
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DUM-Interview: "Unter Strom" mit Robert Prosser


Leseproben aus DUM 51:

DAS WEINBERGER-ARCHIV
(Christian Rechsteiner)


thomas weinberger ist ein mensch und besteht aus verschiedenen organen wie milz, leber, herz, niere etcetera, einem ruhepuls von achtundfünfzig herzschlägen in der minute, aus cirka zweihundert verschiedenen knochen, aus cirka siebzig prozent wasser, unkontrolliert wachsendem haupthaar , einem einwandfrei funktionierenden nerven- und einem am unteren schienbein beeinträchtigten lymphsystem etceteraetcetera.
thomas weinberger besitzt fünf sinne, die hinlänglich bekannt sind. der sechste sinn geht ihm ab.
weinbergers körper ist umgeben von einer schicht haut, die an bestimmten orten löcher aufweist. aus diesen löchern schaut und scheißt weinberger.
außerdem gehört thomas weinberger der art des homo sapiens an, welche der gattung menschen, welche dem stamm echte menschen, welcher der familie menschenaffen, welche der überfamilie menschenartige, welche der teilordnung altweltaffen angehört.
darin unterscheidet sich thomas weinberger gar nicht oder nur minimal von seinen artgenossen.



KINDERBRIEFE AN DEN SATAN
(Christoph Simon)

In der evangelischen Buchhandlung in Interlaken steht seit zwanzig Jahren das rührende Buch "Kinderbriefe an den lieben Gott" im Schaufenster. Dies die Entgegnung darauf.

Lieber Satan
Ich habe vorige Woche von deiner Hölle geträumt. Ich muss sagen, du wohnst sehr interessant. Ich weiss, dass es bei dir heiss ist, aber wie heiss ist es genau? Was passiert, wenn es schneit?
Viele Grüsse
Michael



Lieber Satan
Am Sonntag bin ich leider in die Kirch gegangen. Meine Schwester hatte Konfirmation. Entschuldige,
Annette

Lieber Satan
Bitte mach meine Schwester hübscher, damit sie einen Mann kriegt und auszieht. Vielen Dank,
Markus


KATHOLISCH KOMMUNIZIEREN
eine kindheitserinnerung

(Helga Pankratz)

in einer eigens für sie reservierten, stets mit frischen blumensträußen geschmückten loge hat maria ihren stehplatz, die lebensgroße heilige frau, mater salvatoris mundi, mater dolorosa, in coeli, in aeternitas, jungfrau, muttergottes, begnadetes und gebenedeites weib, das sitzet am schoße gottes des gerechten, aufgenommen in den himmel, von wo sie regieret, maria die gerechte, die himmelskönigin; ganz nahe bei der bühne, wo der in lange, wertvoll schillernde kleider gehüllte herr pfarrer vor einem frommen publikum, das aufsteht, sich hinkniet und wieder niedersetzt, die aufführung mit kerzenlicht, gebeten, gesang, einer art trockeneisnebel, der weihrauch heißt und aus einem goldenen handtäschchen hervorquillt, heiliger verwandlung, glockenläuten und orgelmusik leitet. nahe dem kreuz, wo marias leiblicher sohn, laut namensschild heißt er inri, als geschundene leiche, mit auf die brust gesunkenem dornbekröntem haupt voll blut und wunden und überdehnter wirbelsäule, an schmerzhaft gezerrten armen am heiligen holzkreuz mit sargnägeln befestigt ist und auf den altar herunterblutet, hinein in den goldenen, aber bitteren kelch, aus dem der herr pfarrer trinken muß. der herr pfarrer muß dieses blut trinken und das löschblattdünne, kreisrund geschnittene, getrockenete weiße fleisch aus dem tabernakel essen, genauso wie die zwölf apostel damals das blut trinken mußten und menschenfleisch essen. er tut dies zu christi gedächtnis, dabei ständig den gebrochenen blick des ausgeblutet und wachsbleich dahängenden erlösers im nacken und das ewige licht, das zyklopenauge gottes, rot flackernd, beobachtend, alles sehend, über sich.



STREICHEN
(Elke Engelhardt)

Ich war verloren
und fand mich wieder
in Gottes Einfamilienhaus
ein Zimmer war noch frei

Maria kochte Suppe
Jesus war unterwegs
Jünger sammeln
oder all die Geschichten
die wir uns erzählen
damit wir nicht sehen
wie die Zeit unsere Gesichter in Falten legt

Streichen wir das
sagte Gott
und tauchte den Pinsel in den Farbtopf
Er nickte mir zu
und strich die Fassade

Ich wusste gar nicht dass du lächeln kannst
sagte ich
Und er
schüttelte den Kopf


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