DUM NR. 40

THEMA: ALLES & ANDERS
Mit: Norbert Silberbauer (Interview) * Monika Maurer * Christa Raich * Mark D. Bergfeld * Markus Köhle * Marco Meng * René Bauer * Reinhold Schrappeneder * Fabian Faltin * Robert Frittum * Nino Mandl * Ernst Karner * Martin Dragosits * Katrin Merten * Myriam Keil * Robert Anders * Stefan Abermann * Markus Prem

Rezensionen: Thomas Glavinic - Die Arbeit der Nacht * Ulrike Almut Sandig - Der Tag, an dem Alma Kamillen kaufte

Preis: EUR 3,30.-
Förder-Abo (4 Ausgaben): EUR 13.-
Bestellung: Online, per E-Mail (dummail@gmx.at) oder unter 0664 / 4327973.


Leseproben aus DUM 40:

STERNSCHNITTMUSTER
(Monika Maurer)

dicht neben mich hat er sich gelegt, beinahe ein bisschen auf mich, auf meine decke, so, dass ich mich nicht mehr mit halbschlafender leichtigkeit umdrehen konnte. obwohl es sich zu nah anfühlte, störte es mich nicht. es pickte der gedanke durch meinen schlaf zu mir ins hirn, wer das sein könnte. es gab bloß einen weiteren schlüssel zu meiner wohnung und der befand sich nicht in dieser stadt. beunruhigt, aber zu müde ließ ich den gedanken los und schlief wieder ein.

eine sms weckte mich am frühen morgen, meine freundin wollte wissen, wie mein gestriges treffen mit dem neu kennen gelernten verlaufen sei; gar nicht, schrieb ich schlaflinkisch zurück und kam erst in der dusche wieder zurück zu dem gedanken des nächtlichen besuchs. ich konnte mich des gefühls nicht erwehren, dass der mann, den ich neulich in einer bar – wie filmisch – kennen gelernt hatte, damit zu tun hatte. ob er es allerdings war, konnte ich nicht mit sicherheit sagen. der traum war so haptisch, dass ich noch am vormittag mein fasziniertes unbehagen an meinem körper spürte. die täglichen pflichten rissen mich aus dieser gedankenschiene und ich fühlte, ich würde wieder zurückkehren in diese neu betretene welt, zu diesem mann, der mir noch fremder war, als ich ahnte.


DAS ELOQUENZEFFIZIENZOPTIMIERUNGS-PROGRAMM, KURZ EEOP
(Markus Köhle)

Nein, nicht Verdreher, Vertreter, ich bin Wortvertreter. Ich bringe Farbe in Ihren Wortschatz, nein, man muss nicht acht Jahre weggesperrt werden um sein Sprachvermögen aufzumöbeln, freilich schaden tut es nicht aber es geht auch anders und zwar mit dem einmaligen, von mir patentierten Eloquenzeffizienzoptimierungsprogramm. Ich biete Ihnen exklusive Wortpackages, originelle Wörter für alle Lebenslagen, bis dato Unausgesprochenes an. Wörter, die förmlich auf Sie warten.

Was das sein soll?
Extra für Sie Reserviertes, speziell auf Sie Zugeschnittenes. Sozusagen bis dato anonyme Synonyme.
Eine Kostprobe wollen Sie?
Naja, das geht natürlich nicht, aber ich kann Ihnen ein paar Beispiele aus dem Eloquenzeffizienzoptimierungsprogramm der letzen Jahre nennen, Wörter, die ich ersonnen, vertreten und erfolgreich angebracht habe, die von den Käuferinnen und Käufern sodann in die Welt gesetzt wurden und sich allmählich behaupten, zunehmend von Medien aufgegriffen werden und langsam in den allgemeinen Sprachgebrauch einfließen.
Etwas aus dem Bereich Körperliches, ja, gerne, können Sie haben.


DER TOD DES DEUTSCHEN PHILOSOPHEN ORD. PROF. DDR. JÜRGEN KITTLER
(René Bauer)

ein fax erreicht das postamt von obergreschgl, einem entlegenen dorf in den alpen, um einen im noch entlegeneren nachbardorf untergreschgl stattfindenden weiterbildungskurs der volkshochschule anzukündigen. der weg dorthin ist allerdings gefährlich und so erfriert der neue wiener aushilfspostbeamte in den umliegenden bergen.

die reste des faxes werden allerdings glücklicher- oder unglücklicherweise von einer mure an die kirche von untergreschgl geschwemmt. sogleich restauriert die dienstbeflissene alte mesnerin nach bestem wissen die verschmutzten fetzen und kopiert ihr werk auf gelbe flugblätter, die im dorf verteilt werden. der inhalt der blätter erregt unmut und eine große zahl gewehre und munition wird zum vortrag mitgebracht.

der vortragende tritt vor das publikum im klassenzimmer.
kittler: „meine lieben weiterbildungswilligen und werte zufällig anwesende. ich bin ... jürgen kittler. ich bin heute hier, um ihnen etwas einblick in die philosophie zu geben.“

unruhe bei den zuhörern. immer wieder ertönen die worte „sophie“, „hitler“ und „anal“.




WEISSES PAPIER
(Katrin Merten)

weißes papier & zwei stifte / vier augen zu
ein bild. so sei das / sagst du / mit uns.
ich vermesse mit meinen ausgestreckten armen
wie weit dein fuß schritt hält: zähle sieben
berge & tälertiefe augenblicke / warte / warte

was worte wiegen / denke ich noch & nichts auf
bemalte blätter sind wir / so ist das / mit uns.


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