DUM NR. 72

THEMA: wimpernschlag
von augenblick bis blickfang
Mit: Michael Ziegelwagner - Interview * Clara Felis * Roland Bärwinkel * Gerrit Reinmüller * Silvia Waltl * Maria Wölflingseder * J. Brühmüller * Franziska Zussner * Michaela Davin * Christoph Danne * Carina Nekolny * Gabriele Witt * Marcus Kindlinger * Marlene Schulz * Klaus Roth * Sabrina Schauer * Iris Zögl * Safiye Can * Manuela Schmidt * Annemarie Regensburger * Jonis Hartmann * Stephan Groetzner * Martin Troger * Barbara Votik * Gerhard Benigni * Brigitta Buchner * Der Wortvertreter

Rezensionen: Verena Güntner - Es bringen * Theodora Bauer - Das Fell der Tante Meri

Preis: EUR 3,30.- (EUR 5.- außerhalb Österreichs)
Förder-Abo (4 Ausgaben): EUR 13.- (EUR 20.- außerhalb Österreichs)
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DUM-Interview: "Zwischen Frankfurt und Wien" mit Michael Ziegelwagner


Leseproben aus DUM 72:

KELLNERIN UND GAST NACH EINEM CHAOTISCHEN TAG KURZ VOR AUSSCHANKSCHLUSS
(Roland Bärwinkel)

Langfickbl flickbangbilkklick
blau fang an gang fankblickgafn
klage flakauge binglauge ganifacklbl
fickgaube blickneunauge blangeick bleickengau
neulickgablaube fangblickneubaklik ginfleuge aubennicklack
faungang augenfang flickflack
flacklfickl flickiblicki blagfaglbn glickfuck
bigfick leugnenblick

Erläuterung:
Vorlage sind die Buchstaben der beiden Worte augenblick und blickfang aus der Ausschreibung gewesen


RUHIGE ZEITEN
(J. Brühmüller)

Der Mann zuckte mit dem rechten Augenlid, als er mir diesen Blick zuwarf. Ich sah es genau, ich sah überhaupt alles genau. Ein Wimpernschlag, und gleich danach riss er die Augen auf, das Weiß in seinen Augäpfeln blitzte grell. Überweiß. Sein sonstiges Gesicht war schwarz, alles an ihm war schwarz. Dazu trug er noch eine schwarze Wollmütze, die er tief in die Stirn gezogen hatte. Er schien zu frieren. Innerlich. Äußerlich. Ein dickes Sweat-Shirt mit Kapuze, genauso schwarz wie er, hing ihm dicht um die Schultern, ein Schal war um seinen dünnen Hals geschlungen. Ein Seil, das sich jeden Moment zuziehen konnte. Dabei war es warm. Es war sogar heiß. Stickig. Man konnte kaum atmen. Ich schwitzte. Ich schwitzte, weil es heiß war. Ich schwitzte wegen dieses Blicks. Ich schwitzte wegen der anderen, die sich außer dem Mann und mir noch in diesem U-Bahn-Abteil befanden. Die anderen und wir. Die anderen und ich. Der Mann und ich. Ich. Ich fing nur diesen Blick auf. Nein, der Blick fing mich auf, er spießte mich auf, ich konnte nicht ausweichen. Ich saß in der Falle, so wie er.
...


BLICKFÄNGER
(Iris Zögl)

Ein Augenblick, ein Wimpernschlag - ein Moment lang,
halt ich den Atem an, nach Blicken fischend - nur Sekunden lang.
Eins, zwei, drei - er zieht vorbei - dein Blick ... nein ... er trifft mich nicht.

Doch ich - ich bin ein Blickfänger.
Gefühlte Augenblicke lang, dauern nur Wimpernschläge an - Wimpernschläge.

Ich - ich bin ein Blickfänger.
Hol mit der Angel aus und lass den Köder treiben - Wer beißt an?

Ich - ich bin ein Blickfänger.
Spielend auf der Flöte. Sanft, leise. Lockend - Wer hört mich an?

Doch so ein Blick ist nur ein Augenblick. Bruchteil von Sekunden ... und dann? ... dann vorbei.
Vorbeigegangen, vorbeigezogen, vorbeigeflogen - ohne anzuhalten.
...


DIE VERBESSERUNG DES EINKAUFSERLEBNISSES
(Marcus Kindlinger)

Oder nehmen wir Tina, unsere exemplarische Sechzehnjährige aus einer westdeutschen Mittelstadt. Tina steht nun vor dem Kosmetikregal ihrer lokalen Drogerie, der nächsten, man könnte vielleicht sagen Lieblings-Filiale Tinas, vor einem vertrauten Regal also, wo Tina, die vermutlich schon ihre Erfahrungen mit Mascara gemacht, aber sich noch nicht auf eine Marke festgelegt hat, oder vielleicht von einer neuen Marke gehört oder einfach nur Lust hat, etwas Neues, ganz Neues, vielleicht zu einem speziellen Anlass, ganz Neues ausprobieren möchte, vielleicht, um sich etwas zu gönnen; ...


AUGENTROPFEN UND TRÄNEN
(Gerhard Benigni)

Egon. Egon Schiele. Dieser Name geht ins Auge. Nicht ins Ohr. Seine Bilder. Augenblicke. Manche davon, weil schon etwas älter, teilentrahmt. Doch nicht dieser Schiele. Kein Rennbahnexpressionismus. Auch keine Ausklappposter. Nein. Egon Schiele. Augenarzt aus Wien. Der Doc mit dem irren Blick.

Ich glaub', mich tritt ein Pferd. Nicht weit vom Pferdeapfel zum Augapfel. Egon Schiele. Dieser Name. Und dann Augenarzt. Aber angeblich eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Ein grauer Star unter den Irismatikern. Auf der Tür. Zu seiner Ordination. Ein Plakat. Darauf: (Er)Warten Sie einen Augenblick. Das Er in Klammern. Ha, so ein Scherzbold aber auch. Dieser Doktor Schiele. Manch Augenblick kann schon länger werden. Beim Doktor Schiele. Und tiefer. Besonders, wenn die Augen rund und die Patientinnen weiblich sind.

Ach, Egon, Egon, Egon. Wie es der Heinz sagen würde. Oder der Erhardt. Wahrlich. Ein egonzentrischer Typ. Der Doktor Schiele. Nicht, dass er besonders attraktiv wäre. Der Herr Doktor. Nein. Vielmehr Durchschnitt. Aber seine Augen. Seine blauen Augen. Wenn er damit hinterherschielt. Den Frauen. Oder ihnen Seitenblicke zuwirft. Dann schmelzen sie dahin. Wie die Polkappen. Jedoch meist unbehütet. Dabei. Auf der Hut sein. Das wäre angebracht. Denn Egon drückt voll auf die Schieldrüse. Und damit auf die Tränendrüse. Jede Menge Verflossene. Tränen. Und Frauen. Quasi des Verdrusses überdrüsig. Wenn er sie sitzen lässt. Nicht im Wartezimmer. Tags darauf. Ist auch Privatarzt. Der Doktor Schiele. Eintagsfliegen und One-Night-Stands. Immer wieder. Blauäugigkeit. Sein Markenzeichen. Und ihr Verhängnis. Das Verhängnis der Frauen.
...



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