DAS SCHREIBEN IST SCHÖN!

AUTOR: GERHARD BENIGNI
Rezension von Markus Köhle
Gerhard Benigni dürfte DUM-LeserInnen ein Begriff sein. Benigni ist der, der die Themenvorgaben mit besonders akribischer Wortfeldbearbeitung nicht nur erfüllt, sondern dermaßen beackert, dass ganz besondere Satzsetzlinge plötzlich ungeahnte Blüten hervorbringen. Gerhard Benigni hat soeben im noch recht jungen Kärntner Verlag Malandro sein Debüt vorgelegt: einen Prosaband. Darin sind sowohl die bereits im DUM und in anderen Literaturzeitschriften abgedruckten Texte enthalten, wie auch die Bahn-Geschichte, die ihm den ÖBB-Literaturpreis "LiteraTour am Zug 2014" einbrachte. Der zu recht prämierte Text ist ein gutes Beispiel für Benignis Arbeitsweise und höchst vergnüglich.

Benigni schlachtet Doppel- und Mehrfachbedeutungen von Wörtern aus, legt den Finger auf Wortwunden, zerhackt Sätze, um darauf aufmerksam zu machen und kreiert entzückende Neologismen wie "bahnische" Angst oder "unchrislich" (um auf die automatisierte Stimme hinzuweisen, die neuerdings in Bahnhöfen die Chris Lohner Durchsagen ersetzt). In diesem Text passt alles, ist nichts zu viel oder zu platt. Das kommt in den anderen mitunter vor, ist aber zu verschmerzen und zu verstehen, denn wenn der Assoziationszug ins Rollen geraten ist, lässt er sich halt schwer stoppen. Die titelgebende Story über ein Patchworkfamily-Stückwerk erstreckt sich aufgeteilt über das gesamte Buch. Da traut sich Benigni formal allerhand, führt Sprache, Figuren und Lebensweisen vor, ohne die Figuren bloß zu stellen. Das ist schön gelungen und nicht nur auf Pointen zugespitzt geschrieben (wie andere der Kurzgeschichten, was ja auch sein darf).

Keine Kompromisse

In Summe lässt sich sagen, dass die Geschichten, in denen Benigni Figuren aufbaut, besser funktionieren als die mitunter nervenden Ich-Erzähler-Suaden. Nerven ist da zwar mitunter Programm, aber so schräg, wie mehrmals hervorgehoben, ist das oft gar nicht. Das ist oft bloß hemmungsloser Gedankenraus- und Ideenausverkauf aufgrund Geschichtsauflösung. Aber Benigni ist mutig, macht keine Kompromisse und bleibt sich treu. Dass einem die Geschichten, die man bereits im DUM las (zum Beispiel der patientinnenfixierte Augenarzt Doktor Egon Schiele) nach wie vor gut gefallen, ist ein Qualitätsmerkmal, dass man laut auflachen muss, wenn man über köstliche Wörter wie "unchantalt" und "entmarvint" trifft eine Wonne. Also: Weitermachen!

GERHARD BENIGNI. FERTIGTEILPARKETTBODEN IM NIEDRIGENERGIEREIHENHAUS. Malandro. 2015. ISBN 9783902973160




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